Mein Kurztrip nach Belgien – Viel mehr als Waffeln, Bier und Schokolade!

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„Flanieren durch Flandern und Wallonien“ klingt irgendwie schon so abgedroschen. Ist es aber gar nicht. Es gibt wirklich viel zu entdecken und zu bestaunen.

Hätte man es mir vorher gesagt, wie wunderschön es da ist, wäre ich schon viel eher mal nach Belgien gefahren. Inklusive An-und Abreise hatte ich drei Tage Zeit. So habe ich mir Brüssel und Antwerpen sozusagen im Speedtrip angeschaut und muss sagen, beide Städte haben mich begeistert. Ich gebe euch hier einen Einblick davon, was an einem Tag machbar ist, empfehle aber natürlich einen längeren Aufenthalt für beide Städte. Aufenthalte in Museen oder Führungen waren so leider gar nicht drin.

Viele Gebäude in der Innenstadt Brüssel und in Antwerpen stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und sind geschmückt mit Säulen und Figuren. Sie sehen einfach unschlagbar schick und pompös aus.

In meiner ersten Station, Brüssel, wurde mir schnell klar, warum die Stadt quasi zur Hauptstadt Europas erkoren wurde. Die meisten Leute sind hier mindestens zweisprachig. Die Verwendung von niederländisch und französisch wird hier teilweise noch im Satz geändert. Beides sind Dialekte, aber das höre ich natürlich nicht raus. Aber auch Englisch ist hier kein Problem, wenn man freundlich vorher fragt. Brüssel beeindruckt durch prunkvolle und riesige Bauten, südländisch anmutende Gässchen und Plätze. Der französische Flair ist unverkennbar. Am Samstagvormittag ändert sich das Wetter schlagartig und ich genieße meinen Café und Croissant auf der sonnigen Terrasse am Rande eines Samstagsmarktes irgendwo in Saint Gillis, wo auch mein Hotel liegt. Am Baguettestand gegenüber unterhalten sich die beiden Marktverkäuferinnen angeregt auf Französisch. Die Sonne prahlt mitten im Februar mit ihren gelben Strahlen vom fast wolkenlosen blauen Himmel. Irgendwie fehlt mir jetzt meine Sonnenbrille. Aber auch so genieße ich die wärmende Sonne und das ruhige Treiben auf dem Marktplatz.

In Brüssel sind fast alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichbar. Das europäische Parlament, Justizpalast, den Königlichen Palast, Grote Markt, Port de Hal und Stadtpark schafft man sehr gut an einem Tag. Außer einer Sehenswürdigkeit: Die befindet sich auf dem Expogelände im Nordwesten der Stadt und ist wirklich Pflicht! Das Atomium der ehemaligen Weltausstellung von 1958.

Das 102 m hohe Konstrukt ist ein Konglomerat aus Stahl und Polycarbonat bestehend aus neun Kugeln und mehreren Röhren, die die 165-milliardenfachste Vergrößerung eines Eisenmoleküls darstellen. Von weitem schon faszinierend, zieht es einem fast die Schuhe aus, wenn man darunter steht. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Der Clou: Fünf der neun Kugeln sind begehbar und über Röhren miteinander verbunden.  Die oberste offenbart einen genialen Blick über Brüssel. Der Eintritt kostet zwischen 12,00 und 17,00 EUR. Kommt darauf an, ob man „nur“ hoch will, oder sich das Museum noch anschauen möchte. Bitte versucht aber ohne Rucksack dort hinzufahren und genügend Zeit mitzubringen. Der Rucksack muss unten abgegeben werden und die Schlange ist nicht gerade kurz. Leider habe ich beides nicht bedacht und ich muss wieder zurück. Mein Zug nach Antwerpen geht bereits in zwei Stunden und ich will noch auf den Grote Markt! Für das Atomium sollte man wirklich mindestens einen halben Tag einplanen. Nebenan befindet sich auch noch ein riesiger Park, in dem man danach verweilen könnte. Bei Nacht ist die Installation ebenfalls ein Erlebnis, wenn auch offiziell dann nicht begehbar. Auf den Kugeln glitzern weiße Punkte, die die Bahnen von Elektronen nachahmen. Wer also tagsüber keine Zeit hat, bestaunt diese beeindruckende Installation eben in der Dunkelheit.

De volgende Halte is: Antwerpen Centraal!

Meine Zugfahrt nach Antwerpen ist unkompliziert. Der Zugticket kostet 7,50 EUR und die Fahrt dauert ca. eine dreiviertel Stunde. In Antwerpen-Centraal angekommen, wartet schon die nächste Überraschung auf mich. Das Gebäude des Hauptbahnhofs ist ein Prunkbau des späten 1900 Jahrhunderts. Das Empfangsgebäude ist reichlich verziert mit Säulen und rundgebogenen Fenstern, die Kuppel erinnert an das Pantheon in Rom. Verschiedene Stilrichtungen finden in der mächtigen Bahnhofsvorhalle Platz.
Von hier aus habe ich es nicht weit. Ich habe mir für die eine Nacht ein Zimmer im Hotel gegenüber des Bahnhofs gegönnt. Das Hotel ist wirklich nicht zu verfehlen. Gleich auf dem Bahnhofsvorplatz ragt das mächtige achtstöckige Gebäude des Radisson Blu in die Höhe. Beim Einchecken habe ich noch extra Glück. Da es voll ausgebucht ist, erhalte ich ein Upgrade auf die Juniorsuite in der siebten Etage mit einem atemberaubenden Blick auf den Bahnhof! Ich hüpfe vor Freude, als ich das Zimmer betrete und aus dem Fenster blicke. Aber viel Zeit bleibt mir zum Bewundern heute nicht. Ich räume schnell meinen Rucksack aus und mache mich wieder auf den Weg. Mein Ziel ist die Innenstadt und der Hafen. Statt eines Einzeltickets für die Straßenbahn, kaufe ich einen DAGPAS für 8 EUR. Eine gute Entscheidung, denn prompt nehme ich die Tram in die falsche Richtung und muss an der zweiten Haltestelle wieder aussteigen! Wer sich nicht auskennt und nicht weiß in welche Himmelsrichtung es gehen soll, ist hier ein bisschen verloren, denn auf der Bahn stehen BEIDE Endhaltestellen.

Übrigens ganz wichtig für die Sicherheit im Straßenverkehr! Egal ob grün oder rot, ob ihr im Auto, auf dem Fahrrad sitzt oder zu Fuß unterwegs seid; egal ob von rechts oder von links kommend: DIE TRAM HAT IN BELGIEN IMMER VORFAHRT!! 

Die Gebäude in der Innenstadt Antwerpens sind geprägt vom Klassizismus und Jugendstil. In der Altstadt sind noch viele mittelalterliche Gebäude erhalten. Auch hier gibt es einen Grote Markt. Ich bestaune die spitzen Türmchen der Häusergiebel und lausche dem abendlichen Glockenklang der Kapellen. Am nächsten Tag möchte ich mich anders fortbewegen und entscheide mich für das Fahrradleihsystem Velo. Es kostet vier Euro am Tag und bietet mir Hunderte von Stationen im Stadtgebiet. Die ersten 30 Minuten sind im Tagespreis inklusive.

Neben einer Plastikkarte mit Magnetstreifen erhalte ich noch eine Faltkarte auf der alle Stationen aufgezeigt sind. Die Straßenkarte benötige ich allerdings gar nicht. Alle paar hundert Meter entdecke ich die nächste Station, stelle mein Fahrrad ab, laufe ein bisschen, bewundere die Gebäude und leihe mir das nächste Fahrrad aus. Auch wenn ich an diesem Tag nur vier Stunden Zeit habe, das System ist einfach perfekt. Ich fahre noch schnell zum Diamantenhafen, trinke dort einen Kaffee, bewundere den Steenplein (die Stadtburg), cruise noch einmal über den Grote Markt, kaufe hier belgische Schokolade und fahre dann in einem Bogen über Mechelseplein durch das menschenverloren Diamantenviertel (es ist Sonntag!) in der Nähe vom Hauptbahnhof.

Wirklich ein gelungener Abschluss. Um ca. 13:45 Uhr gebe ich die Fahrradkarte wieder im Hotel ab. Um 16:45 Uhr geht mein Flug zurück von Brüssel -Zaventem nach Berlin. Vorher online eingecheckt, nehme ich den Zug um 14:36. Ich brauche nur eine knappe halbe Stunde. Super happy von meinem Kurztrip und ein wenig müde komme ich im regnerischen Berlin um ca. 18:30 Uhr an.

Wat een prettig weekend!

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