Und immer wieder dieser Berliner Unwille – Berlin, die Berliner, ein Schloss und seine Geschichte

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Es war noch nie einfach ein Schloss in Berlin zu bauen. Der aktuelle Schlossbau in Mitte ist nun schon der fünfte repräsentative Bau auf dem Areal seit Entstehung dieser Stadt.

Einige Berliner halten den Bau für unnötige Geldverschwendung. Man solle die Gelder doch lieber für Straßen oder Wohnungen ausgeben. Dazu sei gesagt, dass die Wiederherstellung der Fassaden des Schlosses durch private Spenden finanziert wird. Lediglich den Ausbau der Ausstellungsräumlichkeiten des Humboldt Forums trägt der Bund. 1

Schauen wir tiefer in die Geschichte Berlins, sehen wir gewisse wiederkehrende Haltungen zum Bau eines Schlosses. Dazu kehrt man am besten zu den Wurzeln Berlins zurück:

Die beiden Städte Cölln und Berlin, die in der der Mitte des 13. Jahrhunderts (1427 Erwähnung Cöllns), erstmals urkundlich erwähnt werden, schlossen sich 1307 zusammen. Die Ernennung zur Doppelstadt machte es für beide Städte leichter, sich nach außen hin zu vertreten und zu verteidigen. 1432 wurde aus den beiden Städten sogar eine Gesamtstadt mit einheitlicher Verwaltung. Das leider nur auf dem Papier. Cöllner und Berliner konnten sich nicht ausstehen. Abhilfe schaffte unfreiwillig der damalige märkische Landesherr und Kurfürst Friedrich II, auch bekannt als Eisenzahn, aus dem Adelsgeschlecht der Hohenzollern.

Als Kurfürst und Landesherr hielt er es für seine Aufgabe die Doppelstadt zu seiner Residenzstadt zu machen. Er nutzte die inneren Konflikte, um seine Autorität als Landesherr zu stärken und gleichzeitig die Selbstständigkeit der Stadt schwächen. Er verbot den beiden Städten Bündnisse abzuschließen sowie an den Beratungen der Hanse teilzunehmen.

1. Schloss- bzw. Burgbau

Zur Vollendung seiner Maßnahme „Residenzstadt“ fehlte ihm ein repräsentatives Gebäude. Er hielt es also für eine gute Idee mit dem Bau seiner „Berliner Hohenzollernburg“ 1442 auf der Spreeinsel, genauer gesagt auf dem Cöllner Werder, zu beginnen.

Der Missmut gegenüber dieser Maßnahme brachte die Berliner und Cöllner dazu sich kurzerhand zusammenzuschließen und im Frühjahr 1448 das Bauareal des Schlosses durch Öffnen der Spreeschleusen zu fluten, was als „Berliner Unwille“ in die Geschichtsbücher einging, den Unwilligen damals allerdings noch weiteren Ärger einbrachte. Unter anderem entzog Eisenzahn nun den Bürgern zur Strafe die Lehnsgüter, um sie an seine Anhänger zu vergeben. Der Landesherr und seine Burg setzten sich nun schließlich durch und seine Residenz wird 1451 entlang der Spree im Südosten des heutigen Schlossareales gebaut. Geblieben aus der Zeit ist heute nur namentlich ein Teil der gegenüberliegenden Burgstraße, die sich etwas nördlicher gelegen von Monbijouplatz bis an die Spree vorschlängelt.

2. Curfürstlicher Schlossbau: Das Renaissanceschloss

Am Ende gab es viel Lärm um nichts. Bereits 100 Jahre später wurde die spätmittelalterliche Anlage, genauer gesagt 1540, durch den Kurfürsten Joachim II weitestgehend abgetragen und durch einen Renaissancebau ersetzt. Erhalten von der Burg wurden nur einige Kellergewölbe und der Grüne Hut, ein zwiebelgedeckter Wehrturm . Das neue Renaissanceschloss wurde in den folgenden 150 Jahren immer wieder umgestaltet und erweitert.

 

3. Neugestaltung des Schlosses: Das barocke Schloss

Dieses curfürstliche Schloss hielt sich immerhin bis 1698. Kurfürst Friedrich der III, der sich später selbst zum König Friedrich I krönte, hielt es für notwendig in der anstrebenden Residenzstadt mit den großen Metropolen Paris und Rom mitzuhalten und ein repräsentatives Schloss und Schlossareal zu errichten. Das Areal musste erweitert, das Gebäude im Barockstil viel prunkvoller und repräsentativer wirken. Das Problem: Der Kurfürst hatte nicht viel Geld.

Wenn man vom Bau des barocken Stadtschloss spricht, kommt man um die Erwähnung des Bildhauers und Architekten Andres Schlüters nicht herum. Er prägte das Bild der Stadt wesentlich. Viele in der Zeit entstandenen Gebäude und Reiterstandbilder stammen von ihm. Darunter gehören das Zeughaus (heute: Deutsches Historisches Museum), das Reiterstandbild des Bodemuseums, die Kanzel der Marienkirche sowie die Saprophage im Berliner Dom. Zu Recht galt er seinerzeit als der Michelangelo des Nordens. Aber er hatte es wahrhaftig nicht leicht. Mit wenigen finanziellen Mitteln sollte er die aufstrebende Stadt durch den Bau eines Schlosses darstellen. Er musste sich etwas einfallen lassen. Es kam sogar so weit, dass er Steine des vorherigen Schlosses recycelte. Einige schon bearbeitete Steine des Renaissancebaus wurden einfach umgedreht, neu bearbeitet und in das Portal 1 auf der Südseite des neuen barocken Baus mit eingebaut. In der Ausstellung Schloss.Stadt.Berlin im Ephraim-Palais kann man bis zum 23.04.2017 neben mehreren Stadt- und Schlossmodellen aus der Zeit auch einen exemplarischen Originalstein von beiden Seiten mit dem „neuen“ barocken Muster und der „alten“ Renaissanceseite betrachten.

Der Umbau des bereits vorhanden Münzturms der Renaissancezeit zur „Wasserkunst“ am Westflügel, welche am Schloss für die Speisung des Wassers der geplanten Wasserspiele des Lustgartens konzipiert werden sollte, konnte als geplanter größter Turm Europas mit seinen über 100 Metern leider nicht erbaut werden. Grund dafür ist der sumpfige Boden der Spreeinsel. Versuche ihn durch seitliche Erweiterungen zu stützen, scheiterten, und er musste wieder abgerissen werden. Den neugekrönten König Friedrich I verärgerte das sehr und er entließ Schlüter daraufhin als Baumeister und stellte kurzerhand seinen größten Konkurrenten Eosander von Göthe als Baumeister ein, der das Schloss schließlich 1716 ohne die Wasserkunst vollendete.

Zur Veranschaulichung und besserem Verständnis der Gestaltung und den Umbaumaßnahmen des Schlosses bis 1945 empfehle ich diesen Link: Schlossbauten bis 1945

4. Bau des Palastes der Republik

Das Schloss hielt sich wacker durch die folgenden zwei Jahrhunderte und durch den 2. Weltkrieg. Bombenanschläge und ein schwerwiegender Brand im Februar 1945 zwangen es fast in die Knie. Es wurde zwar ausgebrannt, aber in seiner Substanz nicht beschädigt. Einige Räume wurden 1946 sogar wieder für verschiedene Ausstellungen genutzt. Trotzdem beschließt die SED der DDR das Schloss 1950 zu sprengen. Danach stand der Platz leer bis 1973. Er wurde zweitweise für Großaufmärsche der DDR genutzt. Dann wurde bis 1976 am Bau des Palastes der Republik gearbeitet. Der Bau wurde zum Sitz des SED Parlaments, „Haus des Volkes“ mit Bowlingbahn und Restaurant sowie repräsentativer Großveranstaltungsort für Konzerte und andere kulturelle Events. Nach der Wende wird das Gebäude sehr schnell aufgrund von Gesundheitsgefährdungen durch den eingesetzten Spritzasbest geschlossen und von 2006 bis 2008 abgetragen.

5. Neuer Schlossbau: Das Humboldt Forum

Im Juli 2011 bewilligt der Bundestag den Bau eines neuen „alten“ Herrschaftshauses nach dem Vorbild des letzen barocken Schlosses. Im März 2013 wurde mit dem Bau begonnen. Das Kind trägt den Namen Humboldt Forum und soll bis 2019 fertig gestellt sein. Das entstehende Gebäude soll für kulturelle Veranstaltungen genutzt, sich dem Dialog der Kulturen der Welt widmen und Träger zahlreicher Dauerausstellungen werden.

So soll das alte historische Stadtbild Berlins zusammen mit anderen Baumaßnahmen an Brachstellen sowie einigen Restaurierungen an Gebäuden wieder einigermaßen hergestellt und die Stadtmitte als historisch wichtiger Kern einer Stadt wieder aufgewertet werden.

Jetzt meine Frage an all die Gegner des Berliner Schlossbaus: Was genau hätten wir mit der 2 Hektar großen Grasfläche des Schlossplatzes machen sollen? Wohnungen bauen, mitten in der Stadt? Wer soll da einziehen? Oder vielleicht noch ein neues Einkaufszentrum?

Ja ok, wir hätten alles so lassen können. Aber erstens haben wir für eine Metropole schon genug Grünflächen und zur Erholung fahre ich nun wirklich nicht nach Stadtmitte und setzte mich auf nen Rasen. Außerdem hätte Berlin nie etwas gebaut, wenn alles immer so bleiben soll wie es ist. Und ja, Bauten kosten nun einmal Geld. Egal ob moderne, halbmoderne, restaurierte oder eben ein altes Schloss. Das war schon immer so und wird immer so bleiben. Auch wenn der Schlossbau etwas prunkhaft anmuten kann. Ein bisschen Prunk, Kultur und Auseinandersetzung mit der Geschichte einer Stadt kann irgendwie auch nicht schaden.

Dies ist eine grobe Zusammenfassung der Ereignisse von etwa 600 Jahren rund um den Berliner Schlossplatz. Wer sich nun noch detaillierter mit den geschichtlichen Hintergründen beschäftigen möchte, liest gerne hier >>Historische Baugeschichte Berliner Schloss<< weiter oder besichtigt die eine oder andere Ausstellung im Ephraim-Palais oder in der Humboldt Box.

 

1. Die genaue Aufstellung der Fördergelder ist wie folgt:
478 Mio. Euro vom Staat
32 Mio. Euro vom Land Berlin
105 Mio. Euro aus privaten Spenden

2 Kommentare

    1. Hi! Seems that we have the same taste of design somehow. 😉
      Yes, the theme is very simple and neat and has a magazine style, that is why I chose it in the first place. However, I am already thinking about a design change. Magazine styles are not that common anymore.

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