Ein Nachmittag als Radlehrerin bei Bikeygees

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Die Straßen des Verkehrsgartens sind nass vom Osterregen, die Pedale sind rutschig. Viele Berliner bleiben bei diesem nasskalten Wetter lieber zu Hause oder verkrümeln sich in ein warmes Café.

Diese Frauen nicht. Sie kommen von überall her aus der Stadt und trotzen dem launischen Aprilwetter. Sie wollen Fahrradfahren lernen und Bikeygees macht es möglich! Jeden dritten Sonntag zwischen 14:00 und 16:00 Uhr können Frauen und Mädchen ab 14 Jahren in der Verkehrsoase am Wassertorplatz, in der Nähe vom Kotti, Rad fahren lernen. Sogar an diesem Ostersonntag.

Aber bevor es mit der Praxis losgehen kann, gibt es in der Hütte noch Kaffee, Kuchen und Osterhasen zum Knabbern und natürlich eine kurze Einführung in das Einmaleins der Verkehrsregeln.

Annette Krüger, engagierte Gründerin von Bikeygees, stellt mit den kleinen bunten Symbolen in der Hand die wichtigsten Verkehrsschilder vor:
Kleine gelbe Raute auf weißer Raute. „Was bedeutet das?“
„Rotes Dreieck auf dem Kopf, was ist das?“. Alles wird parallel noch einmal von zwei Helferinnen auf Arabisch und Farsi übersetzt.
Auch Annette lernt noch etwas dazu, auch wenn es mit der Aussprache des Farsi noch hapert. Der Wille zählt. Alle lachen und freuen sich.

Und wie immer, die Jüngsten sind die Flottesten. „Wer hat Vorfahrt, wenn es keine Schilder gibt?“ „Na, ist doch klar“, meldet sich ein Mädchen. „Der, der von rechts kommt.“ Alle nicken anerkennend. Annette freut sich und lobt.

Zum Abschluss der trockenen Theorie gibt es noch einen kurzen Fragebogen, damit das frisch Gelernte gleich einrasten kann.

Dann geht es raus ins frische Nass. Ach, nee. Stop!
Vorher braucht jede Radlerin noch einen passenden Helm, der kurz noch auf die Kopfgröße eingestellt wird. 

Aus dem Schuppen hat der fleißigeVerkehrsoasenmitarbeiter währenddessen schon die kleinen Damenfahrräder rausgeholt. Einige wuseln vor der Hütte aufgeregt durcheinander, um sich das passende Fahrrad auszusuchen, während uns Helferinnen noch kurz die assistierende Armstütze erklärt wird.

Je nach Fortschritt der Fahrerinnen werden entweder zwei Helferinnen oder eine eingesetzt. Manche Frauen schaffen es auch schon ohne Hilfe und drehen nach dem ersten Training heute ihre eigenen Runden.

 

Nun geht es los. Mir wird gleich über den Fuß gefahren, weil ich mich so blöd hinstelle. Meine Schuld, man sollte den Fuß vielleicht nicht zwischen den beiden Reifen platzieren. Ja, auch helfen will gelernt sein! 😉

Bald habe ich es raus und kann besser unterstützen und die Frauen und Mädchen üben das Anfahren, ihre Balance und die Kontrolle über das Lenkrad.

Und mir wird trotz Regen und Kälte langsam warm. Einmal vom Laufen, da die Frauen auf den Bikes mutiger und immer schneller werden und auch um mein Herz herum. Was für eine tolle Initiative! Ich kann den Frauen das zeigen, was ich so liebe. Und sie nehmen es so dankend und begeistert an. Selten sehe ich in Berlin so viel ehrliche Freude und Elan in den Augen.

Wenn ich es bei manchen ein bisschen stockt, erzähle ich, wie lange ich als Kind gebraucht habe, um gerade zu fahren und dass ich zuerst nur mit Stützrädern gefahren bin. Dann sehe ich Erleichterung und Hoffnung in den Augen aufblitzen. Niemand muss das von Anfang an perfekt können. 

Am Anfang ist eben immer alles schwer. Laufen, schwimmen, lesen und eben auch Fahrrad fahren. Übung macht  auch hier die Meisterin!

Wer Lust bekommen hat zu helfen, zu spenden und einfach dabei zu sein, der kann sich an mich oder direkt an bikeygees wenden. Jeder stützende Arm und jede helfende Hand sind willkommen. Auch abzugebende Fahrräder werden immer dankend angenommen.

Am Ende des Nachmittags kam ich mir lange nicht mehr so nützlich vor. Von diesem Tag werde ich noch eine Weile positive Energie zehren können.

Danke Bikeygees, danke Annette und danke an all diese lieben, starken fahrradbegeisterten Frauen. Ihr habt mich so glücklich gemacht. Sobald ich kann, werde ich wieder dabei sein.


Bitte hier klicken für mehr Info:
Bikeygees e. V.

 

 

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