Warum sie hier sind – Ein Einblick in die syrische Geschichte

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Wir hatten Glück mit dem Wetter am Samstag, als wir von unserem ausländischen Guide durch Berlin geführt werden. Die Sonne lächelt uns ins Gesicht, trotzdem ist es nicht zu heiß. Eine kühle Brise begleitet den Guide, mich und sechs weitere Teilnehmer der Führung auf unserem Spaziergang durch die Mitte Berlins.

Wir hatten Glück mit dem Wetter, genau wie unser Guide vor etwa vier Jahren in einem Boot mit weiteren 400 Menschen an Bord, auf dem Weg in den Norden. Weg von der Unterdrückung, der Unsicherheit und den unruhigen politischen Bewegungen. Weiter weg von der Familie und den Freunden. Unser Guide ist kein Tourist, obwohl er sich sehr für die Geschichte Berlins interessiert. Unser Guide ist jemand der Hilfe brauchte und jetzt hilft er uns. Er hilft uns seine Geschichte und die Geschichte seines Landes besser zu verstehen.

An vier Stationen zeigt er uns Parallelen der syrischen Geschichte zum Stasi Regime und den sublimen Methoden der Nazis auf, die teilweise später dann auch Assads Regierung unterstützten. Ich begreife endlich einmal, wie das alles in Syrien anfing und warum ein Volk sich nicht mehr traute zu demonstrieren.

Es begann bereits in den 1970 Jahren. Der seit 1946 vom vorherigen französischen Mandat unabhängige Staat Syrien besteht von Anfang an aus einer vielschichtigen Bevölkerung aus Sunniten, Alawiten, Christen, Schiiten und weiteren Glaubensgruppen, aus denen sich neue gesellschaftliche Schichten bildeten und die sich teilweise in Parteien organisierten. Hafis-al-Assad, der ehemalige Verteidigungsminister, wird 1971 zum Präsidenten gewählt und beginnt innerhalb des Verwaltungsapparates Strukturen zur sukzessiven Unterdrückung der Opposition und der Bevölkerung aufzubauen. Für eine Reihe von Anschlägen in der 2. Hälfte der 1970 Jahre werden die Muslimbrüder verantwortlich gemacht. Der von der Regierung ausgeführte Anschlag auf die Stadt Hama am 02. Februar 1982 wird zu einer belastenden Bürde dieses Landes. Unterdrückung, jahrelange Folter von Oppositionellen, Massenexekutionen und Demonstrationsverbot sind die Folge. Es gibt keine öffentlichen Zahlen, aber die Anzahl der Toten wird auf bis zu 40.000 geschätzt. Niemand im Land traut sich mehr über die Anschläge zu sprechen. Die Pressfreiheit wird eingeschränkt. Aus Angst vor Folter und Unterdrückung wird das Ereignis in der Bevölkerung totgeschwiegen und so die Unterdrückungsmaschinerie der Regierung weiter vorangetrieben, bis zum heutigen Tag. Diese und weiterführende Ereignisse werden auf der Tour eindrucksvoll geschildert und genau erklärt.

Ich begreife, wie abhängig wir von den Medien sind, die oftmals einseitig oder nicht genug berichten, und wie wichtig deshalb ein offener Dialog zwischen den Menschen ist, um die Geschichte, die Meldungen und die Zusammenhänge besser zu begreifen. Hier und jetzt und überall.

Obwohl man sich in Berlin inmitten einer Ansammlung ereignisreicher Gebäude und geschichtsträchtigen Straßen und Plätzen befindet, scheint die Geschichte dieser Orte doch so fern, so unnahbar. Ergreifend sind die Geschichten eines Zeitzeugen aus einem anderen Land, der vieles in Verbindung zueinander bringt. Es überkommt mich ein Schauer und eine Bewunderung über die Widerstandskraft und den Mut dieser geflüchteten Menschen. Wir sollten ihnen viel mehr zuhören und unsere Anerkennung zeigen.

Es bleibt mir zu sagen, dass es jeden von uns treffen kann, immer und überall auf dieser Welt. Wir sind vor solch einer sublimen Unterdrückung niemals uneingeschränkt geschützt. Dessen sollten wir uns immer bewusst sein, jeden Tag des Friedens feiern und den Frieden mit Liebe verteidigen. Hilfe geben und Hilfe annehmen.

Für alle des Englischen mächtigen Berliner und Berlin Besucher empfehle ich diese Tour, die jeden Samstag ab U-Bahnhof Morenstraße statt findet. Am besten schon mit der U-Bahn anreisen, denn danach geht es mit dem Guide noch in ein syrisches Lokal nach Wedding.

Hier die Links für die Anmeldung zur Tour oder zu weiteren Informationen:

Facebook: Hier geht es direkt dorthin!

Direkte Webseite: Hier geht es direkt dorthin!

Ansonsten ist auch die Seite der Bundeszentrale für politische Bildung für einen Überblick der syrischen Geschichte empfehlenswert, welche mir auch für diesen kleinen Beitrag als weitere Quelle diente.
Hier der Link: Hier geht es direkt zur politischen Bildung!

 

2 Kommentare

  1. Ach wie schön, wie man immerwieder durch lustige Zufälle auf so tolle Blogs wie deinen stößt! Deine Erzählung über deine Begegnung mit der syrischen Geschichte, über Unterdrückung und den unermüdlichen Kampf nach Freiheit berührt und inspiriert zugleich. Keine aufgedrängte Dramaturgie, keine Mitleidsmasche sondern reines HERZ steckt in deinen Worten. Ich muss mich die nächsten Tage unbedingt noch durch die anderen Artikel lesen. Vor allem weil es für mich demnächst auch endlich Mal wieder nach Berlin geht 🙂

    1. Hallo liebe Doris,
      vielen lieben Dank für dein großes Lob. Ja es stimmt, mein Herz war bei der Tour und auch beim Schreiben ganz doll dabei. Generell bei allen meinen Artikeln.
      Melde dich gerne bei mir, bevor du nach Berlin kommst. Eventuell habe ich noch den einen oder anderen Tip für dich.
      Viele liebe Grüße!
      Alicia

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